Fliegen- oder Familienfischen
auf der Alp Weissenstein

Im Kanton Graubünden wird gemäss dem Patentsystem gefischt. Dies bedeutet, dass  jeder Fischer, der ein Tages- oder Jahrespatent einlöst, praktisch überall im Kanton angeln darf. Es gibt nur sehr wenige Privatgewässer im Kanton der 150 Täler. Und im Fischerparadies Graubünden gibt’s wahrscheinlich gar nur eine einzige Privatperson als Pächter von Seen und Bach. Walter Candreia  ist der Pächter der Seen und des Bachkanals auf der Alp Weissenstein, und dies nur dank einer offenen und  visionären Einstellung der ETH Zürich, die Besitzerin der Alp Weissenstein. Das Agritourismusangebot «Alpenfischen mit Führung» bedeutet die ideale Partnerschaft mit dem Forschungs- und Alpbetrieb der ETH, weil der Bergbauer Candreia  seine  Gäste nicht nur verwöhnt, sondern diese auch mit Worten und Taten  für eine  Existenzberechtigung  der Berglandwirtschaft aktiv sensibilisiert und überzeugen möchte. „Bei vielen Gästen spürte ich nach einem Besuch im schönen Parc Ela ein neues und positiveres Bild gegenüber uns Bergbauern. Natürlich  schätzten sie es besonders, dass sie einheimische Bioprodukte in einer idyllischen Berglandschaft geniessen konnten“, meint der Guide. 

Die Seen und der Bachkanal auf der Alp Weißenstein sind ein  Paradies für Fliegenfischer, für weniger berggängige Gäste oder sogar für Familien mit Kleinkindern. 

Angebot und Preis unter Organisation und Kosten

 Interessante Geschichte der Seen auf der Alp Weissenstein
Es gäbe keine Seen auf der Alp Weissenstein, wenn es nicht schon im 19. Jahrhundert mutige Visionäre gegeben hätte.
Im Jahre 1877 wollte der Lehrer Johann Leonhard Memper  auf der Alp Weissenstein eine Fischzucht betreiben, um diese als Fischlieferantin fürs Gasthaus Weissenstein zu nutzen. Eine sehr mutige Vision, wenn man bedenkt, dass Forellen auf rund 2000 m ü.M. sehr langsam wachsen und dass dafür künstliche Seen errichtet  werden mussten. Das Bündner Monatsblatt schreibt dazu im Jahre 1954: „Nachdem Memper den Seedamm im Herbst 1878 fertig erstellt hatte, liess er 21/2 Tage denselben sich auffüllen. Am 21. September jedoch barst die in Trockenmauerwerk eingelassene Wasserfalle und der künstliche Stausee mit einem Inhalt von etwa 240 000 Kubikmeter entleerte sich binnen weniger Stunden, alle Brücken bis Bergün zerstörend.“ Ein Fiasko für Memper, der danach auch noch finanzielle Schwierigkeiten hatte. Diese Situation  bedeutete auch den Anfang von vermehrtem Besitzerwechsel der Alp Weissenstein. Interessant dabei: Unter anderem erwarb H. Badrutt vom Palace Hotel in St.Moritz den Gutbetrieb Weissenstein. Er  wollte damit seinen Gästen die Schönheit des Albulapasses erleben lassen. Im Jahre 1910 schritt Badrutt auch zur Wiederherstellung des vom Memper erstellten Staudammes. Im gleichen Zug hat er das Gasthaus Weissenstein baulich umgestaltet, nämlich mit der Schaffung von mehreren Schlafzimmern. Investitionen, die sich nicht auszahlten, so dass die Geschichte wieder einige Besitzerwechsel schreiben musste und dies bis die ETH Zürich den Gutbetrieb erwarb.

Berglandschaft und Landwirtschaft profitiert vom ETH-Forschungsinstitut
Seit 1967 besitzt die ETH Zürich die Forschungsstation Alp Weissenstein, deren Weiden auf einer Höhe von 1900 bis 2600 m ü.M. liegen. Die Forschungsstation verfügt über eine Alpfläche von 234 ha Eigenland und 200 ha Pachtland und bietet Sömmerungsmöglichkeiten für ca. 150 Grossvieheinheiten (Milchkühe, Mutterkühe, Jungvieh, Schafe und Pferde) während 75 - 80 Tagen. Die Betriebsgebäude, welche auf 2000 m ü.M. liegen, umfassen neben Wohnraum für Personal und Forscher auch Stallungen für den Fall eines Kälteeinbruches mit Schneefall und Futterbergeräume. Im weiteren bieten sie die Möglichkeit, Bilanzversuche mit Rindvieh im Stall durchzuführen sowie Laboreinrichtungen zur Probenaufbereitung. Mobile Einrichtungen, wie z.B. ein fahrbarer Melkstand und Viehwaage, ermöglichen es, Experimente auf der Weide durchzuführen.

Die Forschungstätigkeit konzentriert sich auf alternative Nutzungsformen von Alpweiden in nachhaltigen Nutztiersystemen sowie die physiologischen und ökologischen Auswirkungen der Alpung. Forschungsprojekte werden an Milch-, Mutterkühen, Aufzuchtrindern und Schafen durchgeführt. Die Lage der Forschungsstationen eröffnet auch die hervorragende Möglichkeiten zum Studium der hochalpinen Vegetation, welche auf unterschiedlichen Böden (Muttergestein) wächst.
( Quellenangabe: ETH Zürich, Departement für Agrar- und Lebensmittelwissenschaften).